Katzen machen alles besser – zum Beispiel das Internet und sogar den Gefängnisaufenthalt. So lautet zumindest der Leitsatz eines Programm, welches in einigen Einrichtungen getestet wird. Zwischen Straftäterinnen und Straftätern flitzen jetzt auch vierbeinige Insassen herum. Ist das wirklich artgerecht? Was es mit den Katzen im Gefängnis auf sich hat.
Was haben Katzen im Gefängnis zu suchen?
Tatsächlich gibt es in einigen Einrichtungen Programme, die es den Häftlingen ermöglichen, mit Katzen zu interagieren. So ist es beispielsweise in Amerika in ausgewählten Gefängnissen erlaubt, Katzen zu halten – und das sogar in den Zellen.
Unter Aufsicht des Personals werden ausgewählte, meist schwer zu vermittelnde Katzen aus externen Organisationen in den Zellentrakt gebracht, wo Zwei- und Vierbeiner miteinander Zeit verbringen können. In seltenen Fällen leben die Miezen sogar bei den Insassen in der Zelle.
Vorteile statt Vorurteile
Ein vielversprechendes Programm, welches für Mensch und Tier einige Vorteile mit sich bringt.
Vorteile für die Katzen
Die Häftlinge kümmern sich um die Fellnasen, füttern und pflegen sie – eine sinnvolle Beschäftigung. Dabei bauen sie eine Beziehung zu der Mieze auf und werden für sie zu einer Bezugsperson. In der Regel werden schwer zu vermittelnde Katzen für das Projekt ausgewählt. Während ihrer Zeit im Gefängnis sollen sie durch die Häftlinge wieder Vertrauen erlernen, resozialisiert und später weitervermittelt werden.
Vorteile für die Häftlinge
Wie Gefängniswärter:innen berichten, bereiten die tierlieben Häftlinge deutlich weniger Probleme und wirken viel ausgeglichener. Im Gegensatz zu den Zweibeiner verurteilen die Vierbeiner niemanden aufgrund seiner Straftaten. So schreibt Zooroyal, können sich die Häftlinge den Katzen gegenüber öffnen und körperliche Nähe zulassen. Sie empfinden wieder Wärme und ein Gefühl von Liebe, welches sie durch die Zeit der Haft trägt.
Diese sogenannte Tiertherapie soll den Häftlingen dabei helfen, Stress zu reduzieren und ihr Verantwortungsbewusstsein zu schärfen. Zudem spenden die Vierbeiner Trost und geben ihnen die Aussicht auf eine lebenswerte Zukunft. Häufig kommen die Tiere bei Insassen zum Einsatz, die eine lebenslängliche Strafe absitzen. Ist ein solches Projekt auch bei uns in Deutschland denkbar?
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In Berlin und Bayern schleichen Katzen durch’s Gefängnis
Na klar! Tatsächlich ist bereits ein solches Pilotprojekt Anfang 2014 in der JVA Berlin Tegel gestartet. Das Ziel: Für Straftäter:innen, die eine lange Haftstrafe absitzen müssen, soll die Haftzeit angenehmer sein, sodass sich ihre sozialen Fähigkeiten verbessern. Hier dürfen die pelzigen Mitbewohner allerdings nicht in den Zellen der Insassen wohnen.
Dafür verfügen sie über ein eigenes Katzenzimmer, welches entsprechend mit Kratzbäumen, Katzentoiletten und Spielzeug ausgestattet ist. Immer mit dabei: das Gefängnispersonal. Unter Aufsicht dürfen die Häftlinge auch mit den Katzen an der Leine draußen spazieren gehen.
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Auch die JVA in Nürnberg zieht nach und beherbergt nun einen tierischen Insassen: Katze Harlekin. Zudem erlaubt auch die Jugendstrafanstalt in Heinsberg/Nordrhein Westfalen die Haltung von Katzen in einem großen, abgesicherten Außengehege. Neben Katzen gibt es auch noch Projekte mit anderen Kleintieren wie zum Beispiel Hasen oder Meerschweinchen in einem Gehege.